Berühmte Nationalspielerinnen und Nationalspieler kann man sich in alten Videoaufnahmen anschauen. Pokale, die deutsche Nationalmannschaften gewonnen haben, kann man im Museum bestaunen und Prominente des deutschen Fußballs im Fernsehen. Oder man kommt zum „Wochenende des Amateurfußballs“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und erlebt einfach alle und alles selbst vor Ort, zum Anfassen, auf Augenhöhe und mitten im Geschehen. Und spürt, wie insgesamt rund 6.000 Besucherinnen und Besucher an diesem Wochenende am DFB-Campus, der Heimat des deutschen Fußballs, den Amateurfußball in all seinen Facetten. FUSSBALL.DE blickt auf ein ereignisreiches Wochenende zurück.
„Für mich als Kind wäre es das Größte gewesen, so ein Event zu erleben“, brachte es Christian Wück, Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft, auf den Punkt. Während er das sagte, schrieb Weltmeister und DFB-Sportdirektor Rudi Völler an Platz 1 Autogramme, gab Weltmeisterin und DFB-Sportdirektorin Nia Künzer erst Essen und Trinken aus und ehrte dann auf Platz 4 die Ü32-Fußballerinnen, tauschte sich Hannes Wolf, Cheftrainer der U20-Nationalmannschaft und DFB-Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung mit Trainerinnen und Trainern der D-Juniorinnen aus, machte Wolfs Co-Trainer und Ex-Nationalspieler Lars Stindl Selfies mit Kids und U21-Nationaltrainer Antonio di Salvo schaute auf Platz 5 beim DFB-Fußballabzeichen vorbei.
Der DFB-Campus war zum zweiten Mal zwei Tage lang ein gigantisches Fußball-Wimmelbild. In jeder Ecke gab es etwas und jemanden zu finden und bestaunen, überall wuselten Mädchen und Jungen über die Plätze und die Flure und hatten Spaß am Fußball. Ganz im Sinne der Trainingsphilosophie Deutschland, die Ex-Nationalspieler Hanno Balitsch und die Co-Trainerin der weiblichen U17-Nationalmannschaft, Nikola Ludwig, zur Eröffnung des Wochenendes in einer Fortbildung am Freitagabend den Teilnehmenden vermittelt hatten.
Zum eigentlichen Startschuss am Samstag waren dann die Hausherren vor Ort, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Generalsekretär Dr. Holger Blask. Neuendorf stellte gemeinsam mit Andreas Rettig, dem DFB-Geschäftsführer Sport, die gerade neu gestartete DFB-Initiative „Vereinsheim 2.0“ vor. Schließlich war der Campus am „Wochenende des Amateurfußballs“ ein einziges großes Vereinsheim. Weil es so familiär zuging und der Campus ein Ort für die gesamte Fußball-Familie war.
Wenn es dafür noch Beweise bedurft hätte, hätte man sich nur in eine der über die beiden Tage verteilten Kinder-Pressekonferenzen setzen müssen. Rudi Völler, Christian Wück und der frühere Nationalspieler und Bundesliga-Rekordjoker Nils Petersen tauschten sich so vertraut und entspannt mit den jungen Kickerinnen und Kickern aus, als säßen sie im Vereinsheim ihres Heimatvereins. „Der ist ja wirklich da“, raunte einer der Nachwuchsspieler, als Petersen am Samstagmittag den Pressekonferenzraum des Campus betrat. Dort, wo sich vor Wochen der neue Bundestrainer Jürgen Klopp vorgestellt hatte und wo der am 17. September seinen ersten Kader für die UEFA Nations League präsentieren wird, hatten am „Wochenende des Amateurfußballs“ die Kids die Macht übernommen. Bester Gegenspieler, bester Mitspieler, schönste Auswärtsfahrt, größte Erfolge, persönliche Spielvorbereitung – alles wollten die jungen Kicker von ihrem neuen Duzfreund wissen.
Der frühere Bayern-Stürmer Petersen hatte den Amateurspielern zu Beginn nämlich allen das Du angeboten. „Wir sind doch alle Fußballer, da duzen wir uns“, sagte Petersen. Und motivierte die Kids, ihren Traum von der Bundesliga nicht aufzugeben, sondern weiter hart zu arbeiten. „Den einen Tipp gibt es nicht. Aber ich habe in der Jugend öfter mal auf der Bank gesessen, weil andere talentierter, besser waren. Aber ich war diszipliniert. Ich war der erste und der letzte auf dem Trainingsplatz.“ Mit dieser Einstellung schaffte es Nils Petersen schließlich in die Bundesliga und die Nationalmannschaft. Was für ein Tag für die C-Junioren von Rot-Weiß Walldorf, dem Heimatverein des früheren Nationalspielers und Confed-Cup-Siegers Niklas Süle, und von St. Stephan Griesheim. Erst trugen sie ihr Punktspiel in der Verbandsliga Süd auf dem heiligen Rasen des DFB-Campus aus. Dann stand ihnen der frühere Nationalspieler und Olympia-Silbermedaillengewinner Rede und Antwort.
Auch zwischen Völler und den E-Junior*innen, die am Sonntagmorgen am Campus noch ihr Kinderfußballfestival ausgespielt hatten, harmonierte es auf Anhieb. Kein Wunder, schließlich war mit den Mädchen vom FC Mittelbuchen auch ein Verein aus Völlers Heimatstadt Hanau dabei. Der Weltmeister berichtete noch einmal von seinen Anfängen im Amateurfußball, sein Vater war Jugendleiter bei 1860 Hanau, wo bereits sein älterer Bruder spielte und Mama Völler nach den Spielen die Trikots wusch. Von Hanau aus zog es Völler in die Welt – er berichtete vom Champions-League-Sieg und von zwei WM-Endspielen gegen Maradona: „Das war der beste Spieler, gegen den ich gespielt habe.“ Einmal bekanntlich mit gutem Ausgang, auch weil Völler im Strafraum gefoult worden war. Selbstverständlich so elfmeterreif, dass dieser Strafstoß auch heute noch jeder VAR-Prüfung dieser Welt standhalten würde, wie Völler augenzwinkernd sagte.
Völler beantwortete geduldig Fragen nach seinen Vereinen, Verletzungen und Trophäen. Und hätte noch ewig weiterantworten können, klar, bei der vollbesetzten Pressekonferenz. Aber nach Erinnerungsfotos mit den Teams wartete schon die Autogrammstunde auf dem Campus auf Völler. Und damit viele weitere Besucherinnen und Besucher vom „Wochenende des Amateurfußballs“, für die selbst der Pressekonferenzsaal viel zu klein gewesen wäre.
Christian Wück stellte sogar die ersten Fragen an die D-Juniorinnen vom TV Semd und der SG Götzenhain. Der Bundestrainer hatte am Sonntagnachmittag viel Interesse mitgebracht: „Denn so eine Veranstaltung wie diese wäre für mich früher ein richtig großer Traum gewesen. Ich hätte wie ihr mit großen Augen und Staunen hier gesessen. Leider gab es so etwas früher nicht.“
Dann aber musste doch der Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft ganz viel berichten. Von seinem Werdegang als Spieler und Trainer. Von seinen aktuellen Spielerinnen und seinen früheren Spielern, die in den U-Mannschaften des DFB unter anderen Florian Wirtz, Jamal Musiala, Jonathan Tah und Marco Reus hießen. Und einer der Gegenspieler war ein gewisser Lamine Yamal. Wück, der als Trainer mit der U17 Welt- und Europameister wurde, hat viel erlebt und viel zu erzählen. Und konnte den jungen Kickerinnen auf ihrem weiteren Weg deshalb mitgeben: „Im Fußball kann man nur gewinnen, wenn man ein echtes Team ist und zusammenhält. Das ist das Wichtigste.“
Und was macht man am „Wochenende des Amateurfußballs“, wenn man gerade im Rahmen einer Kids-Pressekonferenz ganz viel erzählt hat? Richtig, man redet einfach weiter über Amateurfußball. Und das auch noch live im Fernsehen. Bundestrainer Christian Wück eilte von der Pressekonferenz direkt auf den Kommentatorenplatz an Platz 1 des DFB-Campus, um neben DFB-Mediendirektor Steffen Simon Platz zu nehmen. Gemeinsam kommentierten sie live auf DFB.TV die Partie in der Hessenliga der Frauen zwischen der Spvgg. Oberrad und dem MFFC Wiesbaden. Und damit auch ein spektakuläres Comeback. Riem Hussein, fünfmalige Schiedsrichterin des Jahres, kehrte extra für das „Wochenende des Amateurfußballs“ auf den Platz zurück.
Vor dem PK-Raum zogen währenddessen Besuchergruppen vorbei, immer wieder führten an diesen Tagen Prominente wie DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich, Hannes Wolf oder Schiri-Chef Knut Kircher durch das Gebäude. Mario Götze war sogar in den Mannschaftskabinen vorbeigekommen. Götze, Weltmeister von 2014 und Siegtorschütze im WM-Finale von Rio de Janeiro, überraschte die Mannschaften von Türk Gücü Friedberg und Darmstadt 98 U 21 am Samstagnachmittag vor Anpfiff des Spiels in den Umkleidekabinen. „Sie haben nicht damit gerechnet, dass ich komme und noch ein, zwei Worte an sie richte. Sie waren ein bisschen überrascht. Das war eine gute Sache“, berichtete Götze im Anschluss.
Eine gute Sache ist das „Wochenende des Amateurfußballs“ am DFB-Campus allemal. Es führt die Basis und die Spitze zusammen, wunderbar zu erleben an Mario Götze. Der Weltmeister in Diensten von Eintracht Frankfurt war ein Star zum Anfassen, begegnete den jungen Kickern, den Trainer*innen und Betreuer*innen auf Augenhöhe. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich früher als Kind gespielt habe. Ich habe auch heute noch Freunde und Bekannte, die im Amateurfußball unterwegs sind. Am Ende spielen wir alle Fußball, egal auf welchem Niveau. Es geht für alle um den Spaß“, sagte Götze. Und verschwand in der Menge, um Autogramm- und Selfiewünsche zu erfüllen.
„Als ich heute hier reingelaufen bin und die Kids gesehen habe, ist mir das Herz aufgegangen. Da habe ich mich sofort an früher zurückerinnert“, sagte Welt-, Europameisterin und Olympiasiegerin Melanie Behringer, heute Cheftrainerin der U19-Nationalmannschaft. Vizeeuropameister und U19-Trainer Christian Wörns ergänzte: „Die Kinder sollen kicken und Spaß haben – so wie heute. Mit der Trainingsphilosophie Deutschland holen wir den Bolzplatz zurück.“ Jede Menge Spaß hatten auch die Spielerinnen und Spieler des inklusiven Fußballturniers. „Bei Euch habe ich gesehen, was den Fußball ausmacht: Menschen, die Spaß haben, gemeinsam zu spielen. Egal, wo sie herkommen und wer sie sind“, sagte Celia Sasic. Die zweifache Europameisterin und DFB-Vizepräsidentin gab die Medaillen und Pokale an die vier teilnehmenden Mannschaften aus.
Die Amateure des Jahres durften am „Wochenende des Amateurfußballs“ selbstverständlich auch nicht fehlen. Clara Fünfgeld aus dem Südbadischen Fußballverband und Olaf Jödicke aus dem Niedersächsischen Fußballverband wurden am Samstag am DFB-Campus von Ronny Zimmermann, 1. DFB-Vizepräsident Amateure, und Ex-Nationalspieler Petersen offiziell geehrt. „Ihr seid beide großartige Beispiele für den deutschen Fußball“, sagte Zimmermann. Petersen kam angesichts des ehrenamtlichen Engagements der beiden Amateure des Jahres regelrecht ins Schwärmen: „Man muss positiv verrückt sein, das alles zu machen. Ich feiere das. Schön, dass sie von ihren Vereinen vorgeschlagen und vom DFB ausgezeichnet wurden. Viele Liebe, das freut mich sehr.“
Und wahrscheinlich hätten die beiden Ausgezeichneten keinen besseren Ort für ihre Ehrung finden können. Denn das „Wochenende des Amateurfußballs“ zeigte einmal mehr, was den Fußball in Deutschland ausmacht: Nicht nur Titel, Pokale oder große Namen stehen im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die Woche für Woche trainieren, organisieren, begleiten, anfeuern, Verantwortung übernehmen und ihre Begeisterung weitergeben.
Quelle: DFB




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