Der SV Eintracht Trier hat die zehnjährige Durststrecke beendet: Erstmals seit 2016 geht der Bitburger Rheinlandpokal wieder in die Porta-Nigra-Stadt: Im Finale besiegte die Mannschaft von Trainer Thomas Klasen TuS Koblenz mit 1:0 – das einzige Tor des Tages erzielte Noah Herber in der 82. Minute. Für die Trierer war es der 16. Pokaltitel der Vereinsgeschichte. Nun dürfen sie auf ein attraktives Los im DFB-Pokal hoffen – die erste Runde wird vom 21. bis 24. August ausgetragen.
„Wir sind Favorit, da gibt es keine zwei Meinungen“, hatte Eintracht-Trainer Thomas Klasen im Vorfeld der Partie des Regionalliga-13. gegen den Oberliga-Vierten gesagt. Die Eintracht übernahm zunächst auch die Initiative, während die TuS auf Umschaltmomente lauerte. Triers Anfangsdruck verpuffte jedoch schnell – auch, weil die Schängel konsequent in den Zweikämpfen agierten und immer wieder Fehler im Aufbauspiel des SVE provozierten. Früh war Klasen dann zum Wechseln gezwungen: Lucas Laux musste nach einem harten Einsteigen von Igor Blagojevic bereits nach 13 Minuten verletzt vom Feld. Für ihn kam Noah Herber in die Partie.
Die Stimmung auf den Rängen des mit 9.000 Zuschauern ausverkauften Moselstadions – Rekordbesuch für ein Rheinlandpokalfinale – war begeisternd. Auf dem Rasen gab es im ersten Durchgang jedoch kaum nennenswerte Torraumszenen. Vieles spielte sich im Mittelfeld ab. Wenn es in den Zweikämpfen etwas ruppiger wurde, griff der umsichtig leitende Schiedsrichter Luca Schlosser konsequent ein.
Erstmals musste TuS-Torwart Michael Zadach nach einem Kopfball von Christopher Wähling eingreifen, hatte aber keine Probleme, sicher zu parieren (31.). Auf der Gegenseite verstolperte Denys Vyrych den Ball in aussichtsreicher Position (32.). Wenig später versuchte es Triers Kapitän Christopher Spang aus der Distanz (34.) – das war es dann aber auch mit der Offensivpräsenz beider Teams bis zur Pause.
Nach dem Seitenwechsel nahm die Partie an Fahrt auf – vor allem, weil die Aktionen der Trierer an Tempo und Kreativität zunahmen. Bei einem Schuss von Jannis Held, der aus gut 20 Metern zentral abzog, das Ziel aber klar verfehlte, ging ein Raunen durch die Menge (49.). Auf der Gegenseite wurstelte sich Vyrych durch, stellte Radomir Novakovic im Tor der Eintracht mit seinem Abschluss jedoch vor keine Probleme (52.). Dann zirkelte Sinan Tekerci den Ball über den linken Torwinkel (54.).
Die bis dahin dickste Möglichkeit hatte Triers Angreifer Damjan Marceta: Nach einer Flanke von Held lenkte Zadach den wuchtigen Kopfball gerade noch über die Latte (56.). Nur drei Minuten später scheiterte Wähling mit einem Schuss ins kurze Eck erneut am Koblenzer Keeper.
Die Hausherren erhöhten die Schlagzahl weiter und erspielten sich immer größere Vorteile. Die Koblenzer schafften es kaum noch, sich zu befreien. Knapp 20 Minuten vor Schluss wurde es erneut brenzlig für die TuS: Sven König traf nach starker Einzelleistung den Innenpfosten, und der nachsetzende Marceta verpasste den Ball nur knapp (72.). Trier drückte und drängte.
Gleich drei frische Kräfte brachte Klasen in der 76. Minute: Für Held, Wähling und Marceta kamen Dominik Kinscher, Frederik Rahn und Tim Sausen. Bei Koblenz musste der angeschlagene Daniel von der Bracke raus. Ihn ersetzte Luka Hirninger. Gerade erst eingewechselt, sorgte Kinscher mit einem stramm auf den kurzen Pfosten gezogenen Freistoß für die nächste Parade von Zadach (80.).
Wenig später war es dann soweit: Nach Zuspiel von Tekerci nutzte Herber den Moment und überlistete Zadach aus kurzer Distanz zum umjubelten 1:0 (82.).
Am Ende einer insgesamt fairen Partie musste Schiedsrichter Schlosser dann noch zwei Rote Karten zeigen: Zunächst flog Damir Grgic nach einem überharten Einsteigen gegen Christopher Spang vom Platz (90.+5). Anschließend entwickelte sich eine Rudelbildung, im Rahmen derer auch TuS-Trainer Michael Stahl die Rote Karte sah.
So belohnte sich die Eintracht spät gegen leidenschaftlich kämpfende, offensiv jedoch zu harmlose Schängel für den enormen Aufwand im zweiten Durchgang und gewann das Endspiel um den Bitburger Rheinlandpokal verdient.
Entsprechend groß war der Jubel bei den Trierern nach dem ersten Pokalsieg seit zehn Jahren. „Wir wussten, dass es ein hartes Stück Arbeit wird. Wir haben aber diszipliniert gearbeitet und sind immer drangeblieben“, sagte Trainer Thomas Klasen. Matchwinner Noah Herber durfte sich nicht nur als Torschütze, sondern auch als Spieler des Spiels feiern lassen. Seinen Treffer schilderte er so: „Ich hatte beim Zuspiel zwei, drei Meter Platz. Als der Ball zu mir kam, habe ich nicht nachgedacht und einfach draufgehalten. Wir haben einen großen Fight geliefert und verdient gewonnen.“
So enttäuscht die Koblenzer nach der knappen Niederlage auch waren, so sehr lobte Trainer Michael Stahl seine Mannschaft: „Wir waren herausragend in der Underdog-Rolle, haben uns super gewehrt. Trier hat speziell in der ersten Hälfte schon etwas angeboten, daraus haben wir aber zu wenig gemacht. Insgesamt war es kein unverdienter Sieg, zumal uns gegen Schluss auch die Kräfte ausgegangen sind.“
Ein überaus positives Fazit zog FVR-Präsident Gregor Eibes: „Es war zunächst ein ziemlich ausgeglichenes Spiel. Am Ende hat sich der Klassenunterschied bemerkbar gemacht. Der Rahmen war wirklich toll. Es war ein Feiertag für den gesamten Fußballverband Rheinland.“
Die Aufzeichnung des Livestreams des Spiels kann hier abgerufen werden.











